DIE TOTE STADT
| TEATRO MASSIMO PALERMO |
| 'John Treleaven sang seinen ersten Paul in dieser ungestrichenen (!) Fassung, die unzählige hohe Passagen enthält, die man andernorts den Tenören erspart. Die Partie bewegt sich so über lange Strecken fast nur in der Höhe zwischen G und H. Treleaven sang das mit Genuss! Das entspricht ja der Gefühlslage des Mannes, der die Gabe besitzt, sich in ein irreales Liebeserlebnis mit Leib und Seele hineinzusteigern. Gewiss, es gibt Tenöre, deren Stimmen sich in der Höhe strahlender öffnen, aber wenige, die in dieser Höhe nicht nur topsicher, sondern auch noch mit unterschiedlichen Ausdrucksschattierungen singen können. Wie erwartet, spielte John Treleaven den Paul nicht als unzurechnungsfähigen Psychopathen, sondern durchaus sympathisch, als hochemotionalen Visionär, der sich mit Hilfe seiner starken Gefühle und Vorstellungsgabe durch die Seelenqualen, die er durchmacht, letztendlich selber befreit – die positivste Interpretation der Rolle, die mir in den letzten Jahren untergekommen ist.' |
| Der neue Merker |